Die Übergabe an das Feuer

Wir arbeiten mit den Feuerbestattungen Hildesheim zusammen, welche in Hasede sitzen. Dieses Krematorium passt ganz wunderbar zu der Art, wie wir arbeiten.

Einer der Hauptgründe ist, dass sie die Möglichkeit bieten, bei der Übergabe an das Feuer dabei zu sein. Nicht hinter Glas, sondern direkt im Raum bei den Öfen.

Dabei geht es um einen weiteren Schritt des Begleitens der Verstorbenen und es bietet die Möglichkeit noch einmal dem Sarg ganz nah zu sein. Manchmal sind bei der Trauerfeier sehr viele Menschen, bei der Übergabe an das Feuer ist immer nur ein kleiner Kreis anwesend.

Es erfordert Mut und Kraft, sich dem intensiven Begleiten hinzugeben und dem Prozess des Verwandelns so nah zu kommen.

Aber es bietet die Chance, ganz intim und intensiv Abschied zu nehmen.

 

Zum Ablauf:

Wenn man sich für diesen Schritt entscheidet, vereinbaren wir in Absprache mit der Feuerbestattung einen Termin, zu dem wir uns am Krematorium treffen.

Vor Ort gibt es dann die Möglichkeit, ganz in Ruhe anzukommen. Wenn alle so weit sind, gehen wir gemeinsam mit den Angehörigen und einem technischen Mitarbeiter in den Übergaberaum. Dort steht der Sarg schon bereit. Der Raum ist schön gestaltet mit einer hohen Decke, Sternenhimmelbeleuchtung und Kerzen.

Im Hintergrund hört man Rauschen und Knacken, das kommt von den beiden Öfen, die sich im Raum befinden. Nun ist noch einmal Zeit zum Ankommen und beisammen sein. Wie man diese Zeit gestalten möchte, ist ganz individuell. Wir haben schon Musiker dabeigehabt oder Musik von CD gehört, es wurde viel gesungen oder noch etwas gesprochen oder andere haben sich einfach in Stille um den Sarg versammelt und den Verstorbenen noch einmal in die Mitte geholt. Meist braucht es wenig Ideen von außen. Was wir immer dabeihaben und anbieten, ist ein Tablett mit Kerzen, jeder kann für sich und auch für Menschen, die an dem Tag nicht dabei sein können, eine Kerze anzünden und auf den Sarg stellen.

Wenn alle so weit sind, bekommt der Mitarbeiter der Feuerbestattung ein Zeichen. Der Sarg wird von einer in den Boden eingelassenen Schiene angehoben und fährt auf eine der beiden Ofentüren zu, dann öffnet sich der Ofen und der Sarg fährt ein. Sobald der Sarg im Ofen ist, schließt die Tür. Im Inneren kann man keine direkten Flammen sehen (der Sarg fährt also nicht ins offene Feuer) aber man sieht rot glimmende Schamottsteine und man spürt eine große Hitze.

Hinterher kann noch einmal Platz genommen werden im Café Raum der Feuerbestattung, um noch eine Weile beisammen zu sein.

Immer wieder wird uns die Frage gestellt ob auch Kinder bei diesem Prozess dabei sein können. Diese Frage können wir klar mit Ja beantworten. Wir wollen aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass niemand gedrängt werden sollte, weder Kinder noch Erwachsene. Niemand muss diese Möglichkeit wahrnehmen. Die meisten Trauernden haben – manchmal mit ein bisschen Hilfe von außen – eine klare Wahrnehmung davon, was sie brauchen für ihre Trauer. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder.

Wenn man sich entschließt, Kinder mitzunehmen, dann ist es gut und wichtig, vorher und nachher mit ihnen zu sprechen. Auch ist es hilfreich, die Tür des Übergaberaums offen stehen zu lassen. Ein Rückzug sollte jeden Moment möglich sein. Es ist ein Raum, der auch überfordern kann. Es kam schon vor, dass Menschen im Raum standen und sich dann doch dagegen entschieden haben. Das ist in Ordnung! Trauerarbeit bedeutet, immer mit den Dingen zu gehen und die dürfen sich verändern. Darauf sind wir eingestellt. Und genau so funktioniert Trauer.

Außerdem bietet die Feuerbestattung Angehörigen an, aus der Ferne teilzunehmen. Das bedeutet, es gibt einen Termin, an dem die Übergabe des Sarges an das Feuer stattfindet. Aber die Angehörigen sind nicht in der Feuerbestattung dabei, sondern nehmen aus der Ferne teil: halten Inne, zünden zu Hause eine Kerze oder gar ein Feuer im Garten an, hören Musik, stoßen auf ihren Verstorbenen an…