LebensArt-Magazin, November 2007, Presse

„Sprich mit mir!“ ..

Über die letzten Dinge des Lebens reden –
Für viele Menschen ist es furchtbar daran zu denken, dass die eigenen Eltern, Verwandten und Freund/innen einmal sterben werden. Oftmals führt diese Angst dazu, dass die Themen Sterben, Tod und Abschied aus den Gesprächen ausgeklammert werden. Es herrscht die Sorge, missverstanden zu werden, so als wünschte man sich die andere Person schnell unter die Erde. Sicherlich ist mit dem Ausklammern dieser Themen auch die Hoffnung verbunden: Wenn ich über den Tod nicht spreche, tritt er nicht ein. Natürlich weiß jede/r, dass dieses ein Trugschluss ist. Unsere Erfahrung ist, dass manche alte Menschen und auch Sterbende das Bedürfnis haben, über „die letzten Dinge“ zu sprechen und einiges zu regeln.

Das kann um Themen wie Vererbung, Vollmacht, Versorgung, Patientenverfügung und entsprechendes gehen. Aber auch die Frage: Was passiert mit meinem Körper, wenn ich tot bin, kann eine wichtige Bedeutung haben. Wir empfehlen immer, im Gespräch miteinander zu sein und die Angelegenheiten bezüglich der Versorgung und Entscheidungen bei Krankheit und zunehmendem Alter möglichst frühzeitig miteinander zu besprechen.
Auch die Frage, wie möchte ich, dass mein Abschied gestaltet wird, kann ganz wichtig sein. Dazu gehören viele Entscheidungen: Möchte ich eingeäschert oder erdbestattet werden, soll es eine kirchliche Trauerfeier geben oder nicht? Oft werden wir als Bestatterinnen mit der Frage konfrontiert, ob eine anonyme Grabstelle gewählt werden soll. Viele Menschen meinen mit einem anonymen Grab ihren Angehörigen einen Gefallen tun zu können, da diesen die Grabpflege erspart bliebe. Wir raten von einer vorschnellen Entscheidung zu einer anonymen Beisetzung ab. Oft ist es so, dass Angehörige und Freunde einen konkreten Ort der Trauer benötigen. Wir haben erlebt, dass Menschen (die dies nie von sich gedacht hätten) das Bedürfnis haben, ein bestimmtes Grab regelmäßig zu besuchen. Wenn es in erster Linie um die Frage geht, ich möchte meine Liebsten nicht mit der Grabpflege überfordern, gibt es diverse Alternativen wie z.B. Rasengräber und Waldbestattungen. Die Frage nach der Gestaltung des Abschieds und der eigenen Wünsche betrifft vieles mehr. Es kann darum gehen, was möchte die/der Verstorbene an Kleidung tragen, um was für einen Sarg soll es sich handeln? An welchem Ort soll die Trauerfeier durchgeführt werde? Bei all diesen Angelegenheiten gibt es viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten, als üblicherweise bekannt ist. Wir haben Trauerfeiern nicht nur auf dem Friedhof, sondern auch zu Hause im Wohnzimmer, im Garten oder im Wald durchgeführt. Auch die Kirchen haben wir schon als sehr angemessenen Trauerraum erlebt, manchmal auch mit Verabschiedungen am offenen Sarg. Bei der Gestaltung der Trauerfeiern gibt es vieles zu bedenken: Welche Musik soll gespielt werde, welche Rituale sind angemessen, welche Farben, welche Blumen sind gewünscht, wer soll die Trauerrede halten? Es geht sicherlich nicht darum, bis ins letzte alles schon zu Lebzeiten fest zu legen. Aber erleichternd für beide Seiten kann es sein, wenn Wünsche mitgeteilt und gehört werden. Unsere Erfahrung ist, dass klärende Gespräche Entlastung mit sich bringen und dadurch mehr Raum für Nähe und Herzlichkeit entstehen kann. Selbstverständlich stehen wir allen Interessierten gerne für eine Beratung zur Verfügung. Wir sind zu jeder Tages- und Nachtzeit, auch an Wochenenden und Feiertagen zu erreichen.

LebensArt-Magazin / November 2007