Oktober 2010

Den Abschied gestalten

Seit ca. sechs Jahren arbeite ich als Bestatterin, oft werde ich gefragt, was diese Tätigkeit beinhaltet. Genauso, wie vielen Menschen dieser Beruf fremd ist, haben sie wenig oder gar keine Erfahrung im Umgang mit Toten. Das erging mir in der Vergangenheit übrigens nicht anders. Als meine Oma oder meine Freundin verstarben, war ich zwar am Sterbebett, aber als Tote sah ich sie nicht. Die Kultur, Tote gemeinsam zu waschen, anzuziehen, aufzubahren, Totenwache zu halten, Sargbeigaben mitzugeben, den Sarg anzumalen, die Urne zu gestalten und Ähnliches kannte ich nicht aus eigener Erfahrung. Dieses und vieles Andere lernte ich in Praxiseinsätzen von verschiedenen Bestatterinnen, um es dann in meinem eigenen Betrieb umzusetzen. Meistens rufen mich Menschen an, nachdem jemand gestorben ist, oft wird der Kontakt aufgenommen, wenn jemand im Sterben liegt, selten sind es die schwerkranken Menschen selber, die mit mir sprechen möchten. Die letztgenannte Situation ist eine ganz besondere. Ich finde es wunderbar, wenn diejenigen, die wissen, dass der Tod sehr nah ist, sich selber entscheiden, was nach ihrem Tod geschehen soll und wir darüber sprechen …

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